Rationierung durch die Hintertür

22.11.2009 | Wiesbaden
Die Politik hat sich mehrheitlich für eine Beibehaltung der freiberuflichen ärztlichen Tätigkeit im ambulanten Bereich unter Einschluss der fachärztlichen Versorgung ausgesprochen. Vehement hat man auch Priorisierungs- und Rationierungsgedanken in der medizinischen Versorgung verdammt. Dennoch, die eingeschlagenen Wege werden zwangsläufig zu einer Austrocknung der fachärztlichen Versorgung im ambulanten Bereich führen.

Dies sei am Beispiel der Magenspiegelung erklärt. Magen-Darm- Spezialisten erhalten für die Rundumversorgung eines gesetzlich versicherten Patienten je nach Sitz ihrer Praxis zwischen 30 und 40 € pro Quartal, wobei dieses so genannte Regelleistungsvolumen im Laufe des Jahres um bis zu 40% gesunken ist. Mit diesem Geld, für das kaum ein Installateur bereit wäre, einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren, sind mit Ausnahme der Darmspiegelung alle ärztlichen und apparativen Leistungen, die in einem Quartal anfallen, abgegolten. Dies gilt auch für die Magenspiegelung, eine Untersuchung, die von Magen-Darm-Spezialisten ca. 1.000-mal im Jahr durchgeführt wird. Diese Leistung allein kostet ohne Berücksichtigung nur eines Cents Arzthonorar ca. 100 € Material- und Personalaufwand. Mit anderen Worten: mit jeder Magenspiegelung subventioniert der Arzt das Gesundheitssystem mit 60 € und mehr. Was ist die Konsequenz? Es ist völlig klar, dass diese Leistung nicht mehr in der notwendigen Anzahl angeboten werden kann. Dies nennt man Rationierung! Die unmittelbaren Folgen sind klar: Wartelisten, Diagnose- und Therapieverzögerungen. Es ist an der Zeit, dass der mündige Bürger und Wähler über die Missstände im Gesundheitssystem korrekt und umfassend aufgeklärt wird. Es ist nicht richtig, mit globalen Totschlagargumenten die Ärzte an den Pranger zu stellen und von "Verteilungsproblemen des Geldes" zu sprechen. Entweder müssen wir offen und ehrlich in eine Rationierungsdebatte eintreten oder es wird dafür gesorgt, dass eine adäquate Honorierung der qualitätsgesicherten Leistung folgt. Rationierung durch die Hintertür will keiner!

Quelle: Pressemeldung Berufsverband Deutscher Internisten e.V.

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