Mit Rama in die Klimakatastrophe

26.11.2009 | Hamburg
ROBIN WOOD-AktivistInnen protestieren heute Vormittag zeitgleich an fünf Produktionsstandorten des Lebensmittelkonzerns Unilever: In Pratau, Kleve und Heilbronn entrollten sie Transparente, in Heppenheim und Auerbach stellten sie sich mit sechs Meter hohen Dreibeinen aus Gerüststangen und Transparenten in die Zufahrten.

Die UmweltschützerInnen kritisieren, dass Unilever trotz drohender Klimakatastrophe weiterhin Geschäfte mit Palmöl macht, für das in den Tropen die letzten Regenwälder vernichtet werden. Parallel zu den Aktionen ging bei Unilever-Konzernchef Paul Polman heute ein Brief von ROBIN WOOD ein. ROBIN WOOD fordert darin, der Konzern solle nur noch mit Lieferanten zusammenarbeiten, die auf eine Erweiterung ihrer Plantagenflächen in Indonesien verzichten und die nicht in Landkonflikte mit der lokalen Bevölkerung verwickelt sind. Wilmar International, bislang Unilevers wichtigster Palmöl-Lieferant, wäre damit aus dem Rennen.

Unilever, Hersteller bekannter Marken wie Rama, Knorr und Langnese, ist weltweit einer der größten Palmölverbraucher der Welt. Einen Großteil seines Palmöls bezieht Unilever von Wilmar, dem nach eigenen Angaben größten Palmölhändler weltweit. Das Palmöl stammt aus riesigen Monokulturen, vor allem aus Asien. In Indonesien ist der Kahlschlag für Plantagen inzwischen die Hauptursache für die Waldzerstörung - mit fatalen Folgen für die biologische Vielfalt und das Weltklima. Indonesien ist aufgrund der Waldzerstörung inzwischen weltweit der drittgrößte Kohlendioxid-Emittent.

Trotz drohender Klimakatastrophe ist ein Umdenken nicht in Sicht. Im Gegenteil. Unilevers Zulieferer Wilmar übt zurzeit großen Druck auf die Provinzregierung im indonesischen Zentral-Kalimantan aus. Das Ziel: Weitere 130.000 Hektar Wald sollen in Plantagenflächen umgewidmet werden. Das will ROBIN WOOD gemeinsam mit indonesischen Umwelt- und Menschenrechtsgruppen verhindern.

"Wissenschaftler formulieren dramatische Warnungen vor dem Klimakollaps. Unilever aber heizt durch seine Nachfrage nach Palmöl dem Klima weiter ein", kritisiert ROBIN WOOD-Tropenwaldreferentin Jule Naundorf.

Wilmar ist zudem in unzählige Landrechtskonflikte verwickelt. Gegen den Landraub für Plantagen gibt es erbitterten Widerstand der lokalen Bevölkerung. Der Protest in West-Kalimantan gegen Wilmar-Plantagen führte dazu, dass die Weltbank im August 2009 beschloss, vorerst generell keine Palmöl-Plantagen mehr zu finanzieren.

Unilever präsentiert den KundInnen hierzulande eine heile Markenwelt, die nichts von Waldzerstörung und Menschenrechtsverletzung ahnen lässt. Kritiker beschwichtigt das Unternehmen zudem mit dem Versprechen, ab 2015 werde der Konzern nur noch zertifiziertes Palmöl verwenden. Doch selbst dann würde die Waldzerstörung nicht stoppen. Denn die Kriterien für das angestrebte Siegel des Roundtable for Sustainable Palmoil (RSPO) wurden maßgeblich von der Industrie entwickelt. Unilever führt den Vorsitz beim RSPO. Entsprechend lasch sind die Kriterien. Sogar Palmöl-Plantagen, für die Wald zerstört wurde, würden dieses Siegel bekommen.

ROBIN WOOD hatte Unilever mit einer Protestaktion an der Deutschland-Zentrale in Hamburg im August dieses Jahres einen ersten Denkanstoß gegeben. Unilever behandelte die Kritik als Kommunikationsproblem und schickte seine PR-Manager vor. In der Sache aber tat sich bislang nichts.

Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.

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