Hungern in der Überflussgesellschaft - Maßnahmen gegen die Magersucht ergreifen

14.05.2009 | Berlin
Zur Anhörung zum Thema Magersucht im Frauenausschuss erklärt Irmingard Schewe Gerigk, Parlamentarische Geschäftsführerin und frauenpolitische Sprecherin:

Magersucht, die psychische Krankheit mit der höchsten Todesrate unter jungen Frauen, wird noch immer unterschätzt. Nur ein Drittel der Erkrankten wird geheilt, 15% sterben daran. Vor allem bei Jugendlichen sind Essstörungen weit verbreitet. Jeder Fünfte der 11-17jährigen zeigt Symptome, Mädchen deutlich häufiger als Jungen. Etwa 100.000 Magersüchtige gibt es in Deutschland. Wir dürfen nicht länger hinnehmen, dass sich in einer Überflussgesellschaft junge Frauen zu Tode hungern. Wir müssen handeln.

Die Sachverständigen waren sich einig: Die Politik ist gefragt. Forschung über Auslöser und Verlauf und vor allem Langzeituntersuchungen fehlen. Schnelle Ergebnisse sind allerdings nicht zu erwarten, denn die Heilung von Magersucht braucht Jahre. Anorexia nervosa drückt das Streben nach Perfektion und Selbstbeherrschung aus. Ein weiterer Auslöser: der Leistungsdruck in Schule und Elternhaus. Das Ziel muss der Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins sein - und nicht zuletzt ein entspanntes Verhältnis zum Essen.

Auch die Beratung muss ausgebaut werden. Sie sollte von anderen Angeboten der Suchthilfe getrennt werden, um junge Menschen ein niedrigschwelliges Angebot zu machen. Und es gibt großen Bedarf an spezialisierten Wohngemeinschaften - derzeit gibt es in ganz Berlin nur 18 Plätze für Essgestörte bis 27 Jahre. Das medizinische Personal muss geschult, Essstörungen Teil der Ausbildung werden. Viele Betroffene haben wahre Ärzteodysseen hinter sich, ehe die richtige Diagnose gestellt wird.

Aber auch Mode und Werbung sind in der Pflicht. Sie produzieren Vorbilder für junge Frauen. Magermodels gehören in die Therapie, nicht auf den Laufsteg.

Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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