Diabetes: Therapietreue rauf, Versorgungskosten runter

02.06.2010 | Berlin
Ein Drittel der Diabetiker setzt im ersten Behandlungsjahr nur unzureichend das mit dem Arzt vereinbarte Behandlungskonzept um. Diabetiker mit geringer Therapietreue erleben mehr Komplikationen und beanspruchen mehr Ressourcen des Gesundheitssystems, etwa durch vermeidbare Krankenhauseinweisungen oder häufigere Arztbesuche.

Eine Steigerung der Therapietreue um 10 Prozent reduziert die Versorgungskosten bei Typ-2-Diabetikern um mindestens 8,6 Prozent. "Apotheker können einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Therapietreue leisten", so Professor Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Pharmazie des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts e.V. (DAPI).

Die Therapietreue verbessert sich, wenn Arzt, Apotheker und Patient eng zusammenarbeiten. Je häufiger Medikamente und je mehr Wirkstoffe eingenommen werden, desto schlechter ist die Therapietreue. Sie wird grundsätzlich besser, wenn so wenig Präparate und Dosen pro Tag eingesetzt werden wie möglich. Verordnet der Arzt mehrere Wirkstoffe, steigern fixe Kombinationspräparate die Therapietreue. Gleiches gilt, wenn das Präparat nicht geändert wird, etwa wegen wechselnder Rabattverträge. Schulz: "Ideal wäre einmal täglich eine einzige, immer gleiche Tablette. Aber dieser Wunsch ist nicht immer realistisch." Wird der Patient aktiv in das Behandlungskonzept einbezogen und seine individuellen Präferenzen berücksichtigt, verbessert dies ebenfalls die Therapietreue. Vor allem bei älteren Patienten birgt die Einnahme vieler verschiedener Medikamente ein hohes Risiko an Neben- und Wechselwirkungen. Spezialisierte Apotheker bieten Diabetikern dazu umfassende Beratungen an.

In Industrienationen beträgt die Therapietreue (Compliance/Adhärenz) bei Langzeittherapien in der Allgemeinbevölkerung im Mittel nur etwa 50 Prozent. Für alle Erkrankungen betrachtet, ist mangelnde Therapietreue für 4 bis 13 Prozent der Krankheitskosten verantwortlich. 6,5 Prozent aller Krankenhauseinweisungen stehen mit ihr in Zusammenhang.

Quelle: Pressemeldung Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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