Beginnt die Adipositas im Kopf? Sechs neu entdeckte Gene zur Gewichtsregulation wirken neuronal
Erhebliches Übergewicht, im wissenschaftlichen Sprachgebrauch Adipositas, erhöht das Risiko für Begleiterkrankungen, wie beispielsweise die Zuckerkrankheit (Typ 2 Diabetes). Ein internationales Wissenschaftlerteam mit deutscher Beteiligung durch das Helmholtz Zentrum München konnte sechs neue Adipositasgene identifizieren. Genexpressionsanalysen zeigten, dass alle sechs Gene in Gehirnzellen angeschaltet sind.
Das internationale GIANT (Genetic Investigation of Anthropometric Parameters) Konsortium ist der Entdeckung von Adipositasgenen auf der Spur. Dazu werteten die Wissenschaftler bislang zwei Millionen DNA-Varianten in mittlerweile 15 genomweiten Assoziationsstudien mit insgesamt über 32 000 Teilnehmern aus. Die daraus resultierenden Kandidatengene wurden in weiteren 14 Studien mit 59 000 Teilnehmern validiert. Neben den bereits bekannten Genen FTO und MC4R konnten nun sechs zusätzliche Gene identifiziert werden: TMEM18, KCTD15, GNPDA2, SH2B1, MTCH2 und NEGR1.
Genexpressionsanalysen zeigten, dass alle sechs Gene in Gehirnzellen aktiv sind. Auch die beiden vorher schon bekannten Adipositasgene, FTO und MC4R, zeigen ein ähnliches Expressionsmuster; für das MC4R Gen konnte bereits ein genotypabhängiger Einfluss auf das Appetitverhalten beschrieben werden. Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN), Prof. H.-Erich Wichmann und Dr. Iris Heid vom Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München, leiten die deutsche Beteiligung an dem Konsortium und betonen: "Die beiden Hauptursachen für das Dickwerden sind natürlich falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Aber die Biologie dieser Gene deutet darauf hin, dass genetische Faktoren dahinterstehen, wenn Menschen auf Lebensstil- und Umweltbedingungen unterschiedlich reagieren."
Mit Ausnahme des SH2B1-Gens, welches in der Leptin-Signalkette und damit bei der Appetitregulation eine Rolle spielt, war keines der anderen fünf Gene zuvor als Adipositasgen diskutiert worden. Iris Heid und ihre Kollegin Claudia Lamina von der Universität München sind begeistert: "Der rein statistische Ansatz der genomweiten Assoziationsanalyse kann neue Aspekte der Biologie der Gewichtsregulation aufzeigen, mit welchen wir vorher nie gerechnet hätten".
In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun weitere anthropometrische Größen auswerten, um noch andere Aspekte der Adipositas zu beleuchten. Ferner werden sie noch weitere Studien in ihre Untersuchungen einbeziehen, da klar wurde: Die einzelnen Studien sind alle zu klein angelegt, und nur durch Zusammenarbeit kann man hier weitere Erfolge erzielen.
Dieses Projekt wurde vom Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN, Leiter Adipositasnetz: Prof. Johannes Hebebrand, Universität Duisburg-Essen; Projektleiter Helmholtz Zentrum München: PD Dr. Thomas Illig), den National Institutes of Health, USA, und dem Munich Center of Health Sciences der Ludwig- Maximilians-Universität München finanziert. Die Genotypisierung wurde im Institut für Humangenetik des Helmholtz Zentrums München unter Leitung von Prof. Thomas Meitinger durchgeführt.
Quelle: Pressemeldung Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)
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