Allergie auf Eier

01.08.2008 | Hamburg
Marie. klagte seit Jahren über wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle und Nesselsucht. Zweimal kam sie sogar wegen unerklärlicher "Kreislauf-zusammenbrüche" in die Notaufnahme einer Klinik, wurde jedoch nach erfolgloser Magen- und Darmspiegelung und ergebnislosen Laboruntersuchungen ohne gesicherte Diagnose entlassen.

Erst der Allergologe Professor Dr. Ludger Klimek vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) brachte im Allergiezentrum in Wiesbaden die Ursache der Beschwerden an den Tag: Das 10-jährige Mädchen leidet an einer Allergie auf Ei-Proteine. "Marie konnte nicht einmal hart gekochte Eier vertragen. Sie durfte also auch Ostern keine gefärbten Eier essen", berichtet Klimek. Er empfiehlt, bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie einen auf die Behandlung von Allergien spezialisierten Facharzt aufzusuchen.

Ei-Allergien gehören zu den häufigen Nahrungsmittelallergien des Kindesalters. Die Sensibilisierung erfolgt über den Magen-Darm-Trakt. 80 Prozent der Kinder entwickeln mit Beginn des Schulalters eine Toleranz. Das heißt, sie "verlieren" die Allergie wieder. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen entwickelt sich eine Allergie auf Nahrungsmittel vor allem durch Sensibilisierung über den Atemwegstrakt. Am bekanntesten ist die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie (Kreuzallergie) bei Pollenallergikern: Menschen mit einer Allergie auf Baumpollen vertragen beispielsweise häufig kein rohes Stein- und Kernobst sowie Haselnüsse. Die Pollen und Nahrungsmittel haben gemeinsame oder sehr ähnliche allergene Strukturen.

Ziervögel können Auslöser für eine Ei-Allergie sein

Bei Anke P.* trat im Alter von 45 Jahren stets ein stark juckender Hautausschlag auf, wenn sie eihaltige Speisen oder bestimmte Müsliriegel aß. Sie vertrug plötzlich keine Eier mehr. Anke P. erhielt eine Überweisung in die Allergologieabteilung des Johanniterkrankenhauses in Treuenbrietzen. Dort versuchte die Chefärztin Dr. Uta Rabe vom ÄDA, den Grund für die plötzliche Ei-Unverträglichkeit herauszufinden. "Meine Patientin erzählte, dass sie bereits seit

17 Jahren einen Wellensittich in ihrem Wohnzimmer hielt. Ziervögel können eine Allergieursache sein", berichtet Rabe. Sie ließ das Blut der Patientin auf IgE-Antikörper untersuchen, die spezifisch für Wellensittichserum und Wellensittichkot sind. Auch die für Eigelb und Eiweiß spezifischen IgE-Konzentrationen wurden ermittelt. Alle diese Antikörper waren bei Anke P. stark erhöht. Ein Hauttest zeigte eine starke Reaktion auf rohes Eigelb und rohes Eiweiß, aber keine Reaktion auf Eiweiß und Eigelb von einem hart gekochten Ei. In der allergologischen Abteilung aß die Patientin anschließend unter engmaschiger medizinischer Überwachung in ansteigender Menge ein gekochtes Eiweiß und ein hart gekochtes Eigelb. Sie vertrug das ganze Ei ohne Probleme. "Dieser Test war wichtig für die Lebensqualität der Patientin. Auf Speisen, bei deren Zubereitung die Eier stark erhitzt werden, braucht sie nicht zu verzichten. Aber andere Eierspeisen muss sie ab jetzt natürlich strikt meiden", so Rabe.

Warum verträgt ein Jugendlicher oder Erwachsener plötzlich kein Ei mehr?

"Die Ursache kann tatsächlich ein als Haustier gehaltener Vogel sein" erklärt die Allergologin Uta Rabe. "Besonders der Kot und das Blutserum von Vögeln enthalten eine allergene Struktur, die auch im Eidotter vorkommt. Dieses Allergen ist bis zu 70° Celsius gegen Hitze stabil. Menschen, die zu Hause einen Wellensittich, Kanarienvogel oder andere Ziervögel halten, können auch im Erwachsenenalter durch Einatmen von Vogelallergenen aus Federstaub, getrocknetem Kot oder Urin eine Allergie auf Hühnerei entwickeln. Ärzte sprechen dann von einem Vogel-Ei-Syndrom. Es gibt Beschreibungen, dass dieses Syndrom auch auftreten kann, wenn die Vogelhaltung viele Jahre zurückliegt."

Symptome des Vogel-Ei-Syndroms können neben Hautbeschwerden auch Niesreiz, Augenjucken, Reizhusten und Atemnot sein. Menschen mit einem Vogel-Ei-Syndrom spüren die Sensibilisierung an den Atemwegen nicht immer. Oftmals haben sie keine Beschwerden, wenn sie sich mit ihrem Vogel im Zimmer aufhalten, vertragen aber plötzlich kein Ei mehr. Nach dem Genuss von Eierspeisen tritt Juckreiz an der Haut oder im Mund auf. Häufig wird die Ursache dieser Unverträglichkeit nicht oder sehr spät erkannt. "Bei Vogelhaltern mit plötzlichen Lebensmittelunverträglichkeiten sollte der behandelnde Arzt daran denken, dass ein Vogel Ei-Syndrom die Ursache sein kann" empfiehlt Dr. Uta Rabe aus Treuenbrietzen. Sie warnt gerade Menschen vor dem unabsichtlichen Essen von eihaltigen Produkten, die auf den Genuss von Ei-Produkten mit heftigen Allergiesymptomen reagieren. "Eier sind in vielen Lebensmitteln versteckt enthalten, beispielsweise in Mayonnaise, Baisers, panierten Nahrungsmitteln und Cremespeisen. Manche Ei-Allergiker vertragen jedoch Eiprodukte und hart gekochte Eier, wenn sie über längere Zeit mehr als 70° Celsius erhitzt werden."

Quelle: Pressemeldung ALK-Abelló Arzneimittel GmbH

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